Grube Silbersegen und Grube Amalie bei Espa-Weiperfelden-Cleeberg

MINERALIEN AUS DEM TAUNUS

IN HESSEN UND RHEINLAND-PFALZ

GRUBE SILBERSEGEN BEI

ESPA-WEIPERFELDEN UND

GRUBE AMALIE BEI CLEEBERG

Die Grube Silbersegen bei Espa-Weiperfelden

Lage,Geschichte und Geologie

 

Die ehemaligen Anlagen der Grube Silbersegen lagen auf der Nordseite der Landstrasse von Espa nach Weiperfelden und erstreckten sich bis auf den Gaulskopf.

Schon 1459 wurde in alten Schriften erwähnt das die zwei nördlich streichenden Parallelgänge sehr silberreich waren und deshalb reger Betrieb stattfand.

Zur selben Zeit bestand ein Bamberger Lehen(ein Lehen bestand zumeist aus einem oder mehreren Grundstücken die der Besitzer zur weiteren Nutzung freigab,als Genehmigung wurden Lehensbriefe ausgegeben)in dem auch der Ort Espa eingeschlossen war.

Der Ort wiederrum gehörte der Erbengemeinschaft des Freiherren von Franckenstein und Heusenstamm(früher Heusenstein).

Schon in der Anfangsphase des Bergbaues kam es wegen Grenzstreitigkeiten immer wieder zu Prozessen.

Diese wurden von zwei "Gewerkschaften" geführt die jede für sich ein Bergwerk auf den selben Gängen eingerichtet hatten.

Aber auch die Einwohner des in der Nähe liegenden Ortes Cleeberg gruben dort.

Denn im Jahre 1496 wird der Amtmann(Verwalter des Landesherren,heute auch Beamter oder auch Bürgermeister) des Ortes aufgefordert den Einwohner dies zu verbieten.

Zwischen den Jahren 1500 und 1556 stellten die Bamberger Bischöfe den Herren von Franckenstein und von Heusenstamm mehrere Lehensbriefe aus.

In den Erzgruben am Silberberg hoffte man Gold,Silber,Kupfer und Blei zu finden.

Um 1497 wurden im sog. "Vertrag von Cleeberg" zwischen verschiedenen Adeligen der Umgebung u.a. Ludwig von Isenburg Graf zu Büdingen festgehalten das daß Bergwerk wieder instand gesetzt werden soll,denn zwischen 1470 und 1495 fand kein nennenswerter Betrieb statt und das Bergwerk verfiel.

Der Vertrag bezieht sich aber auf das Bergwerk bei Cleeberg(Grube Amalie)und wurde zwischen den Cleeberger Ganerben (heute Erbengemeinschaft,hier wurde vorwiegend der Grundbesitz gemeint),zu denen auch die Isenburger Grafen gehörten,

abgeschlossen.

Für die Grube Silbersegen wurde 1528 eine Bergordnung erlassen.

Zehn Jahre später,1538, wurden Überlegungen angestellt welche Regelung im Bezug auf die Verleihung des Bergwerkes zu treffen seien.

Ab 1538 wurden Kaufinteressenten für das inzwischen wieder verfallene Bergwerk gesucht.

Diese wurden auch immer in größerer Zahl gefunden,allerdings kam nie ein wirklich lukrativer Abbau zustande da viele dieser Gewerken(Besitzer oder Anteilseigner eines Bergwerkes)in Bezug auf Ausbau und Aufschlußarbeiten sowie den Kosten sich falsche Vorstellungen gemacht hatten.

So wurde auch selten ein Bergbaufachmann um Rat gefragt,da dies auch wieder Geld kostet.

Wie in vielen Gruben im Taunus traten auch hier Schwierigkeiten mit der Wasserhaltung auf je tiefer man die Schächte abteufte.

Auch das benötigte Holz zum Ausbau der Grube sowie zur Verhüttung wurde immer weniger.

In verschiedenen Akten konnte man lesen das zwischen 1700 und 1726 auf den ruinierten Wald um das Bergwerk aufmerksam gemacht wurde.

Die Esper Bergrechte wurden 1538 Veith Oser erstmals verliehen.

Um 1543 kam es zu einem Vertrag zwischen den Herren Franckenstein und von Heusenstamm und den Grafen von Nassau-Saarbrücken.

Dem Grafen wurde darin ein Viertel des Bergwerkes abgetreten,dafür mußte er den Schutz sowie die Holzanlieferunen übernehmen.

Desgleichen wurde zur Verhüttung Wasser benötigt was der Graf bezahlt bekam.

Die nächste Belehnung kam 1562 zustande und wurde Wolf und Conrad Epstein verliehen.

Über erfolgreiche Abbauversuche ist nichts bekannt.

Um 1577 wurde das Bergwerk Silbersegen neu verliehen an Herman Sinold(auch Dinolten)genannt von Schütz (auch Schutzen)sowie Lenhard von Beihen.

Daraufhin stand das Bergwerk längere Zeit im Abbau.

Etwa 1600 wurde das sog. Zechenhaus erbaut was an der sog. "Alten Strasse" lag.

Hier wohnten die Bergleute,auch gab es Stallungen da Pferde für den Erztransport benötigt wurden.

Auch soll das Zechenhaus als Gasthaus benutzt worden sein.

Es kamen auch Kaufleute und Wanderer hier unter.

Die Kaufleute handelten wahrscheinlich mit Branntwein,da die "Alte Strasse" auch "Branntweinstrasse" genannt wurde.

1610 kaufte ein Herr von Merlau,im Auftrage des Grafen von Isenburg,Erz ein.

Der Graf wurde um Geldmittel gebeten um den Abbau weiter zu führen und so das Bergwerk instand zu halten.

Es dauerte dann aber noch weitere sieben Jahre bis es zu einem Vertrag zwischen dem Grafen von Isenburg und den Freherren von Franckenstein und von Heusenstamm kam.

Der Vertrag wurde am 14. Mai 1617 unterzeichnet.

Der Abbau wurde daraufhin stark vorangetrieben,nicht zuletzt wegen den nun erheblich vorhandenen Geldmitteln.

Ab Anfang des Jahres 1618 wurden wöchentlich 72 Zentner Espaer Erz in der Schmelzhütte von Hain-Gründau verarbeitet.

Es wurde über längere Zeit abgebaut bis es 1630 zu internen Schwierigkeiten zwischen dem Grafen und den Bergknappen kam.

Kurz darauf kam der Bergbau wegen des Krieges(Dreissigjähriger Krieg) zum erliegen.

In den nun folgenden drei Jahrzehnten stand der Bergbau nun still und die Anlagen verfielen mit der Zeit.

Um 1661 kaufte ein Freiherr von Schönborn die Hälfte des Bergwerkes und ließ durch einen Bergmann aus Cleeberg Erz abbauen.

Dieser gewann,nach einem Bericht zu Folge,in 2Jahren 20 Zentner Kupfererz.

1661 versuchte der Graf von Isenburg 100 Zentner Erz abzutransportieren,aber dessen Beauftragter wird vom Espaer Schultheiß (heute würde man ihn Bürgermeister nennen)daran gehindert.

Der Graf beschwerte sich mehrmals wegen dieser Behinderung und Vorhaltung seines Eigentums.

Der Versuch war vergeblich denn die Espaer verkauften das Erz an andere Interessenten.

1662 und 1664 transportierte ein Daniel Stör(auch Ster) Erz.

Dabei wurde wohl auch taubes Gestein untergemischt,denn der Friedberger Jude Meier Ulfern weigerte sich ,zu Recht, das "untüchtige Erz"zu kaufen.

Nachdem sich die Isenburger Grafen,wegen der Streitigkeiten,aus dem Bergwerk von Espa zurückgezogen hatten,wurden neue Kaufinteressenten gesucht.

1681 wurden Mutungen an Johannes und Paulus Ster und Johan Peter Emering vergeben.

Es fand aber kein Abbau statt.

1696 kam es beim Abteufen und Vorantreiben eines Stollens seitens der Cleeberger wohl zu Grenzüberschreitungen.

Aus Unterlagen von 1703/04 geht hervor das die Cleeberger auch die Espaer Schächte gepachtet hatten.

Die hierfür fälligen Abgaben wurden nur sehr unregelmäßig gezahlt.

Zwischen 1700 und 1718 kam es wegen der Abgabe zu Verhandlungen.

Es wurde beschlossen als Abgabe jeden Zwöften statt,wie üblich,jeden Zehnten Zentner Erz,abzugeben.

1750 wurde eine neue Verleihung erteilt an Isaac Bassompierre aus Frankfurt am Main.

Nach eingehenden Untersuchungen des Bergwerkes kam es aber nichtzu einem Abbau und die Verleihung wurde zurückgegeben.

1768 wurde eine weitere Verleihung an den fürstlichen Solms-Braunfelsischen Stallmeister Susewing sowie an den fürstlichen Cabinetts-Sekretär Schwanitz ausgegeben.Beide stammen aus Braunfels.

Der Ausbau wurde durch die vorhandenen Geldmittel zügig vorangetrieben,aber neue Erzlager wurden nicht entdeckt und 1775,nach sieben Jahren,geben die Gewerken Susewind und Schwanitz auf.

1785 kaufte der Homburger Landgraf den Ort Espa und somit auch die Bergrechte.

Der Landgraf fragte auch nach dem Bergwerk Silbersegen um evtl. den Abbau wieder aufzunehmen.

Die Antwort,das es in früherer Zeit Funde von Silber,Kupfer und Blei gab reichten nicht aus um das Interesse des Landgrafen zu wecken.

1806 tauschte der Landgraf den Ort Espa gegen Kirdorf in Nassau.

Kurz darauf versuchte sich ein Pfarrer Vonhausen aus Volpertshausen an dem Bergwerk,ohne Erfolg.

1816 kam es zur Belehnung an den Oberbergrat Cramer.

Zwischen 1822 und 1855 kam es zu verschiedenen Mutungsrechten ,verliehen an den Schultheiß Heyl aus Weyer,Steiger Erhardt zu Weyer,an Johann W. Buderus/Audenschmiede,an Henry Mancur an Herrn Bärtsch,an Friedrich Baumann,an Viktor Claudy aus Cleeberg und den Herren Magdeburger und Pabst.

Viktor Claudy hatte genügend Geldmittel zur Verfügung um grössere Aufwältigungsarbeiten durchzuführen.

Über die Aufwältigungsarbeiten wurde 1858 von der Bergmeisterei ein Bericht angefertigt in dem folgendes steht:

"Der obere Stollen wurde auf 140 Lachter(im Bergbau benutztes Längenmaß,aber je nach Region verschieden ,zwischen 1,80 bis 2,10 m.In Hessen fast 2 m.)Länge,der mittlere Stollen über 200 Lachter und der Tiefe Stollen auf 33 Lachter ,mit bedeutenden Kosten aufgewältigt.

Man fand den Erzgang im oberen und mittleren Stollen vollständig abgebaut.

Der Tiefe Stollen war anscheinend auf ein taubes Trum(Kein erzführender Nebengang).

In diesem Zeitraum hat auch die Bergbehörde erkannt das die Gruben Silbersegen bei Espa und die Grube Amalie bei Cleeberg im Laufe der Zeit zusammengewachsen waren zu einem Bergwerk!

Es wurden von nun an zukünftige Belehnungen nur für die Gesamtgrube vergeben.

1859 wurde eine solche Belehnung an Viktor Claudy vergeben.

Dieser begann einen neuen,an die alten Grubenbaue anschließenden Gang,auf Silber und Blei abzubauen und er hatte tatsächlich Erfolg.

Es wurden alteStollen aufgewältigt,so erreichte der obere Stollen eine Gesamtlänge von 280 m,der mittlere 400 m und der tiefe Stollen 66 m.

Es wurde laut Köbrich 1300 Zentner Erz gewonnen.

Nachdem diese Abbauperiode wieder zu Ende ging wurde die Grube noch mehrmals verliehen,die neuen Gewerken hatten keinen Erfolg.

1887 kam es zur Verleihung an die Gewerkschaft Kaisergrube,die aber nach einem Jahr alle Bemühungen wieder einstellte da kein Erz gefunden wurde.

Nachfolgendes Gewerken die weiter in die Tiefe vordrangen mußten wegen des starken Wasserandranges aufgeben.

1922 wurde die Grube von Bergwerksdirektor Th.Kramm aus Alsfeld übernommen,der sie bis 1959 besaß.

Die Grube wechselte ,erstaunlicherweise,1979 zum letzten Mal den Besitzer.

Die Gewerkschaft Kaisergrube,die die Grube schon 1888 als ausgebeutet ansah,erwarb die Grube.

Warum ist nicht näher bekannt,aber es ist anzunehmen das die Grube später zur Trinkwassergewinnung genutzt wird.

 

Damit endete eine 500 Jahre anderende Abbauphase mit allen Höhen und Tiefen des Bergbaues im Taunus.

Rund um den Gaulskopf der heute wieder bewaldet ist sind noch Spuren des ehemaligen Bergbaues zu finden.

Bei Begehung des Geländes ist Vorsicht geboten da noch offene Luftschächte vorhanden sind die auch überwachsen sein können.

Auch ist in der damaligen Zeit durch unerlaubte Erzgräberei so mancher nicht aufgezeichnete Schacht entstanden.

 

Kupferkies in Quarzit mit Malachit ,Grube Silbersegen/Espa,BB 15 cm,Fund 1984

Datengrundlage Hessisches Landesamt CD TOP 25. Die eingezeichneten Linien sind Verwerfungen,das sind Störzonen die auch den Verlauf von Erzgängen

beeinflussen können.Dies ist wohl auch in diesem Grubenbereich passiert da etliche Abbauversuche fehlschlugen da diese Kenntnisse damals nicht bekannt waren und die Bergleute die verworfenen Erzgänge nicht mehr fanden.

Die Schmelze befand sich südlich der Eselsbrücke.

Im Bereich des Gaulskopfes befanden sich 18 Grubenfelder,nur auf zwei Feldern wurde nach den Blei-Silber-und Kupfererzen geschürft.

Die anderen waren ein Vorkommen mit Schwefelkies,zehn Eisen-und Manganerzfelder und fünf Felder auf Dachschiefer.

Auf diesen fand kein Bergbau statt.

Die Grube Amalie bei Cleeberg

 

Lage,Geschichte und Geologie

 

Die Ortschaft Cleeberg liegt WNW von Butzbach und war bis 1218 im Besitz der Grafen Cleeberg.

Nach dem Aussterben des Cleeberger Grafengeschlechts fielen alle Besitzungen an das Haus Isenburg.

Um 1497 wurde der Bergbau erwähnt,der von den Ganerben betrieben wurde.

1538 kam es zwischen einem Interessenten namens Bonifacius Wild,einem Bergrichter,zu Verhandlungen wegen einer Belehnung.

Ob die Belehnung erteilt wurdfe ist nicht bekannt.

Zwischen 1540 und 1591 kam es zu Aufschlußarbeiten,dabei traten Grenzstreitigkeiten mit dem benachbarten Grubenfeld der Grube Silbersegen auf.

Es wurde ein Vergleich geschlossen und die Grenze mit Steinen festgelegt.

Das Bergwerk brachte anfänglich keinen Gewinn und 1565 mußte die Cleeberger Gewerkschaft die Zahlungen rückständiger Zubußen beim Betreiber,dem Grafen Albrecht von Nassau-Saarbrücken,anmahnen.

Kurz darauf wurde die Grube stillgelegt.

Um 1578 wird eine neue Belehnung an Johann von Rehn und Anton Händel erteilt.

Es kam aber zu keinem größeren Abbau.

Erst 1613 ist mit Hilfe der Cleeberger Einwohner das Bergwerk auf Veranlassung des Grafen Isenburg wieder Instand gesetzt worden.

Der Stollen wurde am 30.04.1613 vermessen und im August die Grube befahren.

Der Anbruch wurde im Dezember besichtigt.

1617 wurden 14 Fuhren(auch Fuder genannt,ein Fuder oder Fuhre entspricht etwa heute 20 Zentner) Erz abgebaut.

1619 im ersten Halbjahr 28 Fuhren Erz.

1622 wurden vom 07.Juli bis 06.Oktober 33 Zentner Reicherz(Erz mit hohem Metallgehalt) und 228 Zentner aufbereitetes Bleierz an die Schmelzhütte geliefert.

Im selben Jahr gab es einen tödlichen Unfall,ein Junge stürzte nachts in den untersten Schacht.

1634 wurde ein Pochwerk mit dazugehörigem Weiher erbaut.

Kurze Zeit später wurde das Bergwerk wegen des Krieges geschlossen.

1637 wird die Grube Amalie von Bergmeister Johannes Rudolf Elter besichtigt,der daraufhin den Weiterbetrieb des Bergbaues empfiehlt.

1638 erhält Landgraf Phillip von seinem Vetter,dem Landgrafen Georg von Hessen,der damals die Verwaltung der Büdinger Grafschaft übernommen hatte,das Angebot die Grube wieder zu betreiben.

Dieser hält die Zeit wegen der Kriegswirren für noch nicht gekommen und lehnt ab.

1642 wird in einer Bestandsaufnahme festgestellt das noch einige Zentner Erz und "Bleistein" vorhanden sei.

Im Oktober 1644 wird gegenteiliges berichtet,das nämlich viele Zentner Kupfererz vorhanden sind,dagegen das Bleierz unaufbereitet im Pochwerk liegengeblieben war.

1651 kam die Grube Amalie in Isenburger Besitz.

1662 wird die Belehnung einer Gewerkschaft zugesprochen obwohl das Isenburger Haus Einspruch erhoben hatte.

Kurz vor dieser Belehnung grub ein alter Bergmann ganz allein und auf eigene Rechnung nach Erz und nach seinem Tod setzten die beiden Söhne den geringen Abbau fort.

Die Gewerkschaft,deren Gewerken u.a. der Darmstädter Bergmeister Bredschneider sowie Jörg Riemenschneider und Jacob Achterberg,betrieben die Grube in geringem Umfang und 1687 wurde eine neue Belehnung durch den Fürstl. Sachsen-Eisennachchen Geheimen Rath und Oberamtsmann zu Freyenberg,Clas Wolfgang Sinold genannt Schütz,beantragt.

(Wahrscheinlich ein Verwandter von Hermann Sinold,siehe Bericht von der Grube Silbersegen.)

Es wurde geplant den 30 Lachter langen Wasserlöserstollen auf 200 Lachter zu verlängern um den Schacht zu treffen.

Auch die Frage nach Erzvorräten wurde gestellt und die Antwort klang ernüchternd:

 

"Daß der Berg Kupfer führe,ist dahero weil verschieden daraus

gegraben worden,erweislich,ob aber der Berg noch reich und

die Adern in quanto einen großen Anstrich haben werden,

das ist Gott bekannt."

 

1695 wurde eine weiter Belehnung dem Darmstädtischen Haushof-und Oberforstmeister von Bobenhausen erteilt.

Im März 1696 bat v. Bobenhausen den Amtmann Heer,wohl der Geschäftsführer der Gewerkschaft,mit allen Mitteln die Grube in Schwung zu bringen.

Kaum war die Grube in neuer Hand schon gab es wieder Grenzstreitigkeiten die bis 1699 andauerten.

Während dieses Grenzstreites besetzte der Freiherr von Franckenstein mit seinen bewaffneten Männern das Bergwerk.

Man verlangte daher von Ihm seine Rechte durch den Verlauf der Grenzsteine zu beweisen,was dieser nicht konnte.

Die Markscheider(Bergbeamter der die Größe der Grube und das Grubenfeld vermisst und schriftlich niederlegt),die diesen Beweis forderten,wurden daraufhin von dem hohen Herren als Diebe und Schelme beschimpft.

Erst als die Cleeberger die Grube Silbersegen pachteten war der Grenzstreit entgültig beendet.

 

Das Grundbesitzerische Verwirrspiel flammte wieder etwas auf als ein Espaer Bergmann 1705 im Schleppschacht abstürzte.

Man wußte nicht genau ob der Schleppschacht auf Cleeberger oder Espaer Gebiet lag,außerdem wurde der Tote über den Tagschacht von Cleeberg geborgen.

 

Aus Berichten ist zu entnehmen das um 1700 die Grube Amalie voll ausgebeutet schien während Silbersegen noch Erze lieferte.

Im Mai des gleichen Jahres arbeiteten auf der Grube Amalie 13 Hauer,16 Haspelknechte,4 Jungen,1 Blechschmied,1 Erzscheider, 1 Schmelzer, 3 Vorläufer, 1 Pochsteiger,2 Siebwäscher und 4 Jungen im Waschwerk.

Der damalige Bergbau,wie auf fast jeder Grube nicht nur im Taunus,lief unter sehr schweren Bedingungen.

Man darf sich nicht vorstellen das die Stollen so gehauen waren das man aufrecht durchgehen konnte,sondern die Stollen waren wesentlich niedriger so das die Stollen manchmal so niedrig waren das nur kleine Jungen durch diese engen Vortriebe kamen.

Auch waren viele Stollen nicht in gleichmäßiger Höhe gehauen so das es bei Stollenbegehungen immer ratsam ist einen Helm zu tragen da schon mal Vorsprünge,die man beim Lichtder Grubenlampe kaum erkennt,vorhanden sein könnten.

1705 plante die Gewerkschaft ein neues Pochwerk bei der Oberndorfer Waldschmiede.

Wegen Wassermangels an der neu gebauten Schmelze in Weiperfelden wurde in manchen Jahren wie 1705,1707 und 1710 geschehen,das Erz in Weilnau verarbeitet.

1706 konnte in Weilnau kein Erz geschmolzen werden da eine Flutwelle das Wehr zerstört hatte.

Schon damals kam es im Weiltal zu einem Waldsterben das durch die giftigen konzentrierten Blei-und Arsendämpfe(Fahlerz) ausgelöst wurden.

1707 hielt man die Grube Amalie für ausgebeutet.

Aber schon 1716 ist vom Oberberginspektor Ludwig Balthasar Müller das Bergwerk erneut untersucht worden.

Der Oberberginspektor konnte aber wenig berichten da die Schächte und Stollen teilweise eingefallen waren.

Es wurden kleinere Aufwältigungsarbeiten mit Hilfe von Zubußezahlungen bis 1718 weitergeführt,wobei der Gewerke Metzger die Führung der Arbeiten hatte.

Allerdings schien dieser seine Arbeit nicht sehr ernst genommen zu haben da ihm der Steiger Peter Hellwig Nachlässigkeit vorwarf,was später zum Stillstand der Grube führte.

Durch diese Aussage von Hellwig nahm der Rat Fabricius vom Fürsten zu Nassau-Usingen an das daß Bergwerk nur durch unsachgemäße Führung stillstand und nicht durch Mangel an Erz.

1734 untersucht Bergmeister Koch in Butzbach das Erz.

Nach dessen Ergebnis enthielt ein Zentner aufbereitetes Erz 2 Loth(in Hessen 14,6g)feines Silber neben 5,5 Pfund Blei.

Das Bergwerk wurde wohl in kleinerem Umfang weiterbetrieben aber der Fürst bezahlte die Arbeiter nicht und so mußten die Bürger von Cleeberg und Espa die Bergleute versorgen.

Dies geschah auch durch Lebensmittel,was damals als ganz normal galt.

Denn durch häufige Geldentwertungen war doch der Nachteil für die Bergleute nicht so groß.

1766 bitten,wie schon im Bericht von der Grube Silbersegen beschrieben,der fürstliche Solmische Stallmeister Susewind und der Cabinettssekretär Schwanitz um Belehnung der Bergwerke bei Cleeberg und Espa.

Am 25.August 1766 kommt eszu einer vorläufigen Belehnung und am 15. Dezember 1767 kam es zur entgültigen Belehnung.

Wenige Monate später,am 28.Mai 1768,geben sie einen Berichht ab über die bisher geleistete Arbeit.

Es wurden 170 Lachter Stollensohle von Schlamm befreit da sonst das Wasser nicht abläuft.

Sie entdeckten an vielen Stellen die Zeugen von "schlechtem Abbaugehabe" ,Erze wurden keine entdeckt.

1771 wird der Hauptschacht der Grube Amalie neu aufgezogen und mit Holz verbaut.

Am 30. Oktober 1771 schreiben Susewind und Schwanitz das trotz größter Anstrengung und großem finanziellen Aufwand bisher kein Gewinn gemacht wurde.

Am 6. September 1772 wird Blei-und Kupfererz in einem alten Schacht entdeckt,aber wegen starkem Wasserzufluss konnte der Gang nicht ausgebeutet werden.

Zwei Querschläge und ein Stollen wurden vorgetrieben,ohne Erfolg.

1775 geben die Gewerken Susewind und Schwanitz auf.

Die Grube Amalie wurde 1809 zum allerletzten Mal belehnt ohne das die Gewerken Grass und Consorten Erfolg hatten.

 

Damit endet auch hier ein Kapitel des Taunusbergbaues.

Auf den Resthalden kann man mit Ausdauer noch Bleiglanz und Fahlerz eingesprengt in Taunusquarzit finden.

Kupferkies läßt sich auf jeden Fall immer finden.

Auch Pyromorphit in kleinen Kristallen zu finden ist möglich in kleinen Höhlungen in und um Bleiglanz.

 

Nach Aufzeichnungen des Steigers Peter Hellwig um 1719 gab es drei Stollen,der erste Stollen wurde vom Tagschacht erreicht und in diesem gab es ein Gesenk im Hangenden auf die zwei Stollensohle.

Hier existiert auch ein alter Richtschacht(ein Richtschacht wird immer ohne Berücksichtigung der Erzgänge abgeteuft und von da aus beginnt man in Richtung der Erzgänge zu schürfen) der wesentlich älter als das Gesenk(Schacht ohne Oberflächen-anbindung) ist.

Auf dem zweiten Stollen gab es ein Mundloch,auch Stollenmundloch,in der Bergmannssprache bezeichneten man Öffnung eines Stollen von wo aus die Bergleute in das Bergwerk betreten oder befahren konnten.

Unterhalb des Tagschachtes gibt es ein weiteres Gesenk,der sog. Schleppschacht ,der auf die dritte Stollensohle abgeteuft wurde.

Hier gibt es ein Gesenk das als großer Richtschacht bezeichnet wird.

Ein zweiter Richtschacht zeigt schon das sich die Gewerke nie schlüssig waren in welcher Richtung die Erzgänge laufen.

Auf dem dritten Stollen gab es zwei weitere Gesenke die später wahrscheinlich eine vierte Stollensohle erreichen sollten,aber soweit waren die Aufzeichnungen von Steiger Hellwig noch nicht.

Auf jeder Stollensohle gab es einen Querschlag der nach den Aufzeichnungen von Hellwig immer dem selben Erzgang verfolgte.

Erze wurden im Anbruch auf der ersten und zweiten Stollensohle gefunden.

Anbruch bedeutet aber nur das Vorhandensein von Erz was aber wegen geringer Menge nicht lohnend war es abzubauen.