Grube Philippseck

                            "Im Tausend sechshundert zwanzig fünften Jahr

                             Nahm Landgraf Philipp zu Hessen war

                             des Gehbergs,baut drauff Philippseck

                             zum Pestfluchthaus und zum Bergwerk.

                             Gott schütze gnädig und bewahr

                             Ihr fürstlich Gnade diß Haus vor Gefahr"

Die Tafel befand sich bis 1737 im Schloss,siehe rechts.

Ein Plan ,der die Grube Philippseck auf einem der ältesten hessischen Grubenbildern zeigt(siehe oben),stammt aus dem Jahre 1719.Der Grund der Anfertigung des Grubenbildes ist unbekannt.

Zur damaligen Zeit fand kein Abbau statt.Der Plan zeigt die Grube in der Lage zu Münster und zum Schloss Philippseck und wurde als perspektivischer Grundriss angelegt.Die auf diesem Plan angegebenen Bauten wurden während der Zeit des Landgrafen Philipp ausgeführt.

Zwischen 1667 und 1767 lag das Bergwerk still.

1767 beginnt eine neue Abbauperiode.Hier wurden dem solmsischen Amtsjäger Leidner die verlassenen Bergwerke bei Münster und Weiperfelden verliehen.

Dieser trat sie aber dann dem fürstlichen Kabinettsekretarius Schwanitz und dem fürstlichen Stallmeister Susewindt aus Braunfels ab.Diese waren die Strohmänner des Prinzen von Braunfels.

Der Abbau wurde nur in geringem Umfang betrieben.Es wurden 26 Lachter westlich vom alten Hauptschacht D ein neuer Schacht,20 Lachter abgeteuft.Dieser trifft ein "schmerklüftiges Gebirge" mit eingesprengtem Kupfererz.

Derber Bleiglanz stand in altem Hauptschacht D einen Schuh(Fuß?) stark an,konnte aber wegen starken Wasserandrangs nicht weiterverfolgt werden.

Vor 1790 ,bevor die Kriege begannen die das Bergwerk zum Erliegen brachten,ist nur noch ein Betriebsversuch bekannt geworden.Das Bankhaus Bethmann gab den Auftrag einen Stollen zu treiben.Der Stollen traf nach 6-7 Klafter(etwa 15-17,5m) den alten Mann.

Erst 1838 erfährt das Bergwerk Philippseck,unter dem Namen "Bleikaute",eine neue Verleihung durch Henry Mancur für die Englisch-Deutsche Bergwerksgesellschaft.Die erste Arbeit war das Abteufen des Schachtes N,westlich des Hauptschachtes,auf eine Teufe von 29 m.

Bei 22,75 m wurde ein Quarzgang mit Blei-und Kupferkies angetroffen der hor.7,1 strich und nördlich mit 54 Grad einfiel.

Das Fallen hat sich hier umgekehrt.Mit 0,75 bis 0,9 m setzt der Gang im Tonschiefer auf.

Die Kluft ist dann 3m westl. des Schachtes verworfen und angelegte Querschläge erreichten den Gang weder im Hangenden noch im Liegenden.

In östl. Richtung wurde ein Gang,nach einem Auffahren von 7 Lachter,mit Bleierz,1 bis 2 Fuß mächtig angetroffen.Der Abbau dieses Ganges dauerte 1 bis 1 1/2 und es wurden 100 bis 200 Ztr. Bleierze gefördert.Die Englisch-Deutsche Bergwerksgesellschaft baute etwa bis 1841 ab.

Nach Äußerung von verschiedenen älteren Einwohnern sollte damals im Füllort noch 500 Ztr. Bleierz liegen.

Ob das der eigentliche Grund war für die Belehnung des nassauischen Oberförsters Rau aus Cleeberg,im Jahre 1841,ist,ist  bis heute nicht geklärt.Laut alter Akten hat der Oberförster in der Hauptsache das Grubenholz aus der Grube "geraubt".

Nach dieser Pseudomutung kam es noch,durch verschiedene Unternehmer,zu Mutungen.

Eine Firma aus Becke an der Oese teufte den Schacht O im Hangenden des östl. Grubengebietes ab,der Gang wurde dadurch aber nicht erreicht.

Im selben Zeitraum wurde der Stollen wieder aufgewältigt und im östl. Querschlag Q,etwa 70 Lachter vom Mundloch entfernt,fand man 1857 ein menschliches Skelett.

Bis zu diesem Zeitpunkt lief das Bergwerk als Grube Bleikaute.

Bei einer neuerlichen Belehnung,um 1865,durch den Geometer(Vermessungstechniker)Burk aus Butzbach wurde die Grube wieder Philippseck genannt.

Der stark verfallene Stollen wurde wieder aufgewältigt und der Hauptschacht D auch aufgezogen.

Der Erzgang wurde dabei wieder angetroffen.Des weiteren wurde der Luftschacht K abgeteuft und durch einen Querschlag mit dem Stollen verbunden.Burk fand von diesem Luftschacht K in Richtung des Ganges einen Querschlag,dieser führte zu einer alten Hornstatt(Bereich der Grube mit einer Haspel=Erzförderung per Hand)wo sich ein 7m tiefes Gesenk(Schacht ohne Oberflächenanschluss) befand.

Als Burk starb wurde nie mehr in diesem Umfang versucht das Bergwerk wieder in Gang zu bringen.

Die Ereignisse um das Bergwerk rissen aber nicht ab,denn 1884,um die Weihnachtszeit,wurden die Einwohner Münsters nachts durch starkes Getöse erschreckt.Ein 5x6m großer und tiefer Krater wurde am nächsten Morgen von den Einwohnern entdeckt;das Silberbergwerk war bis zur Sohle eingestürzt.

Vielleicht besteht ein Zusammenhang mit der 1841 stattgefundenen "Ausraubung" des Grubenholzes durch den Oberförster Rau,welche nachfolgende Besitzer,wegen der Kosten,wahrscheinlich nur spärlich ersetzt haben.

1908 und 1923 fanden geringe Aufwältigungsarbeiten ohne nennenswerte Ergebnisse statt.

Bei diesen Arbeiten wurden die Schächte R und S mit einer Teufe von 23 m,zwischen die Schächte D und M,abgeteuft und eine kurze Strecke aufgefahren,der Gang wurde hierbei nicht erreicht.

Die Schächte R und S sind auf der neuen Übersichtskarte irrtümlich zwischen D und E eingezeichnet.Durch den Wasserandrang konnte man nie bis in größere Teufen(Tiefen) vorstossen um Erz zu gewinnen.Ein Wasserlöserstollen wäre nur von der Ziegenberger Seite möglich gewesen,aber die Stollenlänge wäre beträchtlich gewesen und somit zu teuer.

Aus dem auf der Grube Philippseck gewonnenen Silber ließ der Landgraf Philipp auch Münzen schlagen.Leider hat sich keine dieser Münzen erhalten und die Anzahl war wohl zu gering.

Im selben Grubenfeld von Philippseck,im Gangstreichen,liegen 2 km westlich in den Distrikten Kohlgrube und Kerlefeld,alte Pingen sowie 5 Schächte.Die Vorkommen sind nie näher beschrieben worden.

An der Ostgrenze des selben Feldes liegt die Fortsetzung des Ganges in der Gemarkung Fauerbach v.d.H..

Alter Situationsriß der Grube Philippseck(aus hessische Erzvorkommen von C.Köbrich,1936)

HISTORISCHER Auszug ,von 1777,aus einer Verkaufsliste eines verstorbenen Naturaliensammlers aus Frankfurt am Main.

Wie man hier lesen kann wird hier nur noch von einer Halde aber nicht von einem laufenden Bergwerk geschrieben,die Grube Philippseck war ja von 1667 bis 1767 stillgelegt,das wird der Grund für die Angabe "Halde" gewesen sein!!

MINERALIEN DIE AUF DER HALDE ZU FINDEN WAREN


BLEIGLANZ PbS kommt,wie alle hier vorkommenden Primärerze,sehr selten in Kristallen vor.

Meistens fanden sich auf den Halden kleine Stücke die oberflächlich in kleine Cerussit xx umgewandelt waren.Man konnte auch Stücke mit Überkrustungen von Pyromorphit,Azurit oder Bindheimit auf den Halden finden.

Bei genaueren Untersuchungen stellte man fest das der grobspätige Bleiglanz einen wesentlich höheren Silbergehalt hatte als der feinkörnige.Auf anderen Bleierzgängen ist das umgekehrte der Fall.


FAHLERZ (Cu,Fe)12As4S13 konnte sehr selten in kleinen typisch tetraedrischen xx auf Quarzrasen gefunden werden.Ansonsten kommen nur Erzbutzen im Bleiglanz vor.

Es handelt sich hier ,nach einer Analyse, um ein reines Arsenfahlerz,also Tennantit.


KUPFERKIES xx CuFeS2 sind nur in kleinen Quarzhohlräumen zu finden,wenn weder Bleiglanz noch Fahlerz in der Nähe waren.

Ansonsten ist der Kupferkies mit dem Bleiglanz verwachsen und auch teilweise limonitisiert.Die xx erreichen bis 2mm und sind mehrfach verzwillingt.


AZURIT  (Cu3(CO3)2(OH)2 ist das Mineral mit dem die Grube Philippseck bei den Mineraliensammlern so beliebt wurde,ist es doch die einzig richtige Fundstelle für Azurit xx im Taunus gewesen.

Azurit entsteht bei der Umwandlung von Fahlerz und wurde während der Betriebszeit als Farbpigment abgebaut.

Das zeigt schon welchen Mengen an Azurit hier vorkamen.

Die xx, können Größen von 4mm und mehr, erreichen.Bei Kristallrasen mit dünnblättrigen xx werden noch 2mm erreicht.Hierbei können bei  diesen blättrigen xx Verwachsungen,ähnlich den alpinen Eisenrosen,auftreten.Die größeren xx sind langgestreckt und dicker ausgebildet,auch sind sie weniger dicht verwachsen.

Azurit verkittet Quarzbeccien,verquarzten Tonschiefer die limonitisiert sein können.

Selten kommen Pseudomorphosen von Azurit nach Malachit vor.


MALACHIT  (Cu3(CO3)(OH)2 bildet xx in Quarzhohlräumen aus und in engen Spalten des Tonschiefers kommen lattenförmige dünne xx vor.In beiden Fällen werden die xx bis 3mm,kugelige Aggregate werden größer.


TIROLIT  Cu5Ca(AsO4)2(CO3)(OH)4x6 H2O kommt als lockere grünbläuliche Massen auf und in der Nähe von Fahlerz vor.Selten ist das Mineral in schönen Kugeln ausgebildet.Begleiter ist der sog. Arseneisensinter ,der irrtümlich mal als Antimonocker beschrieben wurde.


BAYLDONIT  (Cu,Zn)3Pb(AsO4)2(OH)2wird häufig mit Malachit verwechselt wegen seiner ähnlich grünen Farbe.Er bildet meistens kugelige,glänzende Krusten und kommt zusammen mit Azurit,Malachit und Bindheimit auf den primären Erzen vor.


CERUSSIT  PbCO3  ist meistens schlecht auskristallisiert und kommt in strohigen xx auf Azurit vor.Seltener,aber besser auskristallisiert ist der Cerussit in und auf Quarz sowie in zerfressenem Bleiglanz.

Auch Verwachsungen mit Malachit kommen vor.Die xx erreichen selten eine Größe von 4mm.


PYROMORPHIT  Pb5(PO4)3Cl konnte in bis 4 mm großen xx gefunden werden.Wie Cerussit sind die Pyromorphite auf Azurit verstreut aufgewachsen oder stecken zwischen den Azurit xx.

Die Farben gehen von gelbgrün über in ein kräftiges grasgrün.

Pyromorphit xx die auf Azurit aufgewachsen sind und etwas durchscheinend sind,können durch das darunterliegende blau des Azurits blaugrün bis türkisfarben erscheinen.

Der Pyromorphit kommt als typisches hexagonales Prisma vor,aber auch tönnchenförmige oder kugelige Aggregate sind immer wieder gefunden worden.


PITTIZIT  Fe23+IOH/SO4/AsO4IxnH2O gelbe,ockerartige Massen die früher für Antimonocker gehalten wurden, konnte nach Untersuchungen kein Antimon festgestellt werden.


SPERTINIIT Cu(OH)2   kommte ich,sehr selten,neben und auf Azurit xx,in krustiger Form, finden.


Zum Abschluß sollte noch erwähnt werden das ,trotz eines hohen Silbergehaltes der primären Erze Fahlerz und Bleiglanz,keine Silbererze in irgendeiner Form auf der Halde zu finden waren.


GOLD  Au  wird nur innerhalb der Verleihung erwähnt,gefunden wurde es nie.

Außer dem Bergmeister und einem Steiger arbeitete noch der Schmelzer Jakob Kanthmacher auf der Grube.Aus dem Vorhandensein eines Schmelzers ergibt sich ,das ein Pochwerk und eine Hütte in der schon früher als Schmelze benutzte Mühle,eingerichtet wurde.

In einem Güterverzeichnis von 1636 wird das Gebäude als Mahlmühle,Schmelze und Pochmühle geführt.

Das Bergwerk war für den Landgrafen sehr wichtig und um jedermann zu zeigen wie wichtig dieses Bergwerk für Ihn und die Grafschaft war,ließ er eine vergoldete Tafel im Schloss Philippseck anbringen auf der zu lesen stand: